Die theoretischen Diskussionen zum Wirkungsspektrum der Lohnspreizung verweisen je nach theoretischem Standpunkt darauf, dass eine Volkswirtschaft Arbeitnehmer mit geringer Qualifizierung braucht. Gewiss mag es in der makroökonomischen Betrachtung sowie aus wissenschaftlicher Sicht gerechtfertigt sein, derartige Szenarien aufzuzeichnen, doch steht es der politischen Diskussion nicht zu, die jeweiligen Forschungsergebnisse zu instrumentalisieren, indem einfach die jeweiligen Standpunkte in die eigene politische Sichtweise transformiert und zu allem Übel noch kommuniziert wird. Fern der wissenschaftlichen Laborsituation ist es einfach ungehörig. eine Gruppe der arbeitenden Bevölkerung zum Spielball der Interessen zu machen. Schließlich handelt es sich um Menschen, und diese auf einem geringen Ausbildungsniveau zu halten, ist menschenverachtend. Gewiss werden diejenigen, die derartige politische Diskussionen führen, dieses Motiv weit von sich weisen. Doch nichts dagegen zu tun, damit sich die Situation der Betroffenen grundlegend ändert, nimmt das Recht darauf, dieses Schicksal unter dem Aspekt der Lohnspreizung zu diskutieren. Im Übrigen trifft dies selbstverständlich auch auf diejenigen zu, die vor dem Hintergrund dieser Diskussion Mindestlöhne fordern. Solange alle nur diskutieren und nichts fürs Bildungsbewusstsein tun.
Zur Überspitzung der Situation und zur Steigerung der Provokation kann die Frage gestellt werden: Will man die Geringqualifizierung unausgesprochen aufrechterhalten, indem die geschaffenen Instrumente zur Förderung von Bildung und Lernen nur pro forma ins Leben gerufen hat. Damit erscheinen alle Fördermaßnahmen als Blendwerk. Auch hier wird sich Empörung breit machen, ob dieser Unterstellung und dennoch gilt erneut, solange die Instrumente nur punktuell eingesetzt werden und sich langfristig nichts an der Situation ändert, muss man sich derartige Vorwürfe gefallen lassen. Es lenkt von der eigentlichen Herausforderung ab, einfach auf die Förderinstrument zu verweisen, oder beim Nichtgreifen der Maßnahmen auf die elende bürokratische Situation zu verweisen. Fakt bleibt, dass seit Jahren zum Beispiel im SGB III Fördermaßnahmen zur Überwindung von Geringqualifizierung preisgeboten werden oder dass sich mit Qualifizierung während Kurzarbeit alles ändern soll und letztlich es weiterhin diese Gruppe in wahrnehmbarer Zahl gibt.
Es heißt ja immer: An den Taten werdet Ihr gemessen.